Zürich - Athen und zurück

Aufm Velo, zu Fuss, mit dem Zug, auf der Fähre nach Rom, Napoli, Bari, Paros, Athen, Thessaloniki, Belgrad, Zagreb, Split und zurück nach Zürich.



19.3.04 :::
 
Italien:
Amalfi_Küste, Ravello (luxuriös und teuer: 120 Euro, aber ein beindruckender Adelssitz mit direktem Meeranschluss): Torre "Scarpiello” s.s 163 Amalfitana – localita mamorata, Ravello (SA), 089872373, www.amalfi.it/scarpiello

Nationalpark Cilento:
Agritourismo:
AgriPaestum, ss 18-c/da Cerro, Capaccio; 0828730094, www.agri2000.üaestum.it
L a Brezza, Via Leone x, Capaccio; 0828730923, www.labrezza.it
La Provvidenza, Via Sabatello, Paestum, 0828871429, www.agrilaprovidenza.it
Maida, Via Consortile Giugano, Paestum, 028722953
Seliano, Tenta Seliano, paestum, 0828723634, www.agriturismeliano.it
Domus Laeta, Via Flavio Gioia, 84050 Giungano (Richtung Küste) 0828880177, www.domuslaeta.com
Sant’Agata, Via Santa Agata Nord, Pisciotta, 0974931716
Le Serre, Loc. Serre, Pollica, 0974904036
Carretiello, Via Carratiello, 206, Roccadaspide, 0828742168
San Matteo, Fontana San Matteo, Rutino, 0974830469
Sallela, Loc. Salella, Salento, 097467099
Il Forno Antico, Ctd. Forno, San Mauro la Bruca, 0974974203
Alma Chiara, Loc. Pantano, Sessa Cilento, 0974836531
La Sontina, C. da Verlingieri, Sanza, 0975322346

Bari: Hotel Adria,: Doppelzimmer: 37 Euro, Via L. Zupetta, 10, Tel 0805246699

Triest: Hotel Alabarda, Via Valdrivo, 22 Tel:040630269, www.hotlalabarda.it


::: posted by Melanie at 09:53



18.3.04 :::
 
Griechenland:
Noch einige nützliche Adressen:
Wir haben viel wild gezeltet – im Pindus Gebirge eine gute Möglichkeit, um unabhängig zu sein. Aber – ab und zu braucht es eben doch ein festes Dach über dem Kopf- hier einige Adressen.
In Vougarelli (ein lauschiges Bergdorf im Pindus-Gebirge): Hotel Galini – Telefon 06852213 – schöne Doppel, das Hotel liegt zu oberst im Dorf. Ausgangspunkt für Bergtouren
Hotel Kronos in Agra: 26810/22211-13, Doppelzimmer: 44 Euro
Bei den Meteora Klöstern in Kalambaka: Camping Ksstraki: www.campinmeteora.gr, kastraki@meteoracampin.gr; Tel: +302432022293


::: posted by Melanie at 13:43



17.3.04 :::
 
Kroatien
Route:
Mit dem Zug: Zagreb - Split
Tagesetappen:
Split – Trogir
Trogir – im Hinterland über Rastovac/Primosten – Grebastica
Grebastica – sibemik – Skradin (Krka – Nationalpark)
Skradin – im Hinterland nach Pirovac
Pirovac – Biograg – Fähre nach Pasman – Uglijan – Fähren nach Zadar
Zadar – Dugi Otok
3 Tage Pause
Dugi Otok – Zadar – Fähre nach Mali Losinji – Cres
Cres – Porozina (Cres) – Fähre nach Breskova


Rad und Zug: wie überall ein Problem. Radtransport ist im Zug grundsätzlich nicht erlaubt. Wir mieteten deshalb ein Schalfwagenabteil auf dem Zug von Zagreb nach Split (Abfahrt: 22.45; in Split um ca. 7.30). Die Räder wurden als Gepäckstück mitgenommen.

Strassen: viel zu befahren; wo es geht auf die Inseln oder das Hinterland (Kriegsgebiete) ausweichen. Auch die Inseln sind schon sehr befahren – auf Pasman/Uglijan lässt es sich gut von Biograd nach Zadar radeln.

Unterkunft:
Split/Trogir: Privatquartiere gibt es wie Sand am Meer
Krka-Nationalpark: Auf dem Weg von Sibenik nach Skradin (auf der Höhe von Lozovac) gibt es 2 private Campingplätze, z.B. Camp "Krka”, Goran Skocic; Tel. ++383522778495; Mobile ++385915282886
Sibenik: Autocamp Miran in Pirovac; ca. 20 km nordwestlich von Sibenic; Tel 022466-803
Zadar: Autocamp Borik, Tel 332074 – für einen Autocampingplatz noch sehr schön mit direkten Strandanschluss (Sandstrand). Achtung: Der auf dem Stadtplan eingezeichnete Campingplatz östlich der Stadt existiert nicht mehr.
Dugi Otok: Die Eisdiele an der Hafenmole von Sali (vom Meer aus gesehen linke Ecke) vermittelt Privatzimmer. Fragen lohnt sich! Oder Hotel Sali am "Beach” von Sali gelegen (+385237704; www.hotel-sali.hr)
Cres: Autocamp Kovacina (liegt 1 km östlich von Cres); Tel 571423. Im FKK-Bereich hat es schön gelegene Zeltplätze; steinige Felsküste

Sonst moch: Die Fähre von Zadar nach M. Losinje und Cres fährt nur einmal am Tag, ca. 6.00 früh und nur in den Sommermonaten
Auf Dugi Otok kann man in der Bibliothek (023377093) einen Internetanschluss finden,


::: posted by Melanie at 09:20



2.7.03 :::
 
Die letzten Eindrücke aus Kroatien - Melanie
Zadar - 3. grösste Stadt an der Küste Dalmatiens. Der Papst war in Zadar. Wir haben ihn knapp verpasst. Es war ein grosses Ereignis. Die Zeitungen sind voll mit den Bildern der Menschenmenge, die Kirchplatz, Hafenmole und die Innenstadtgassen füllt. Frenetischer Jubel bei der Ankunft des Papstes. Jung und Alt sind gekommen. Tage später kommen immer noch Kroaten, um die Rednertribüne vor der Hauptkirche von Zadar zu bestaunen und sich darauf fotografieren zu lassen: ein aus Reisig, Blumen und Blattwerk zusammengesetztes Schiff. das Schiff Kroatien mit Jesus Christus als Leitfigur auf neuem Weg.
Der Papstbesuch war für die Kroaten ein wichtiges Ereignis, ein weiterer Schritt in die Normalität, eine Stärkung des Selbstbewusstseins des jungen Staates. Durch die katholische Kirche anerkannt zu werden, ist wichtig - betonen viele Kroaten doch immer wieder, dass ein Unterschied zu den Serben darin besteht, dass die Kroaten katholisch, die Serben orthodox sind.
Und wirklich, der katholische Glauben wird ernst genommen: die Messen sind voll. In der Hauptkirche in Zagreb sah ich bereits am Vormittag die Menschen für die Beichte anstehen, in jeder grösseren Stadt sehe ich junge Nonnen und Mönche.

Die Paradebauten der Küstenstädte - Kirchen, Paläste, aber auch das Strassenpflaster sind aus den weissen Steinen der Insel Pag. Vom vielen Gebrauch glattgeschliffen, wirken die Steine fast schmierig und leuchten immer weisser. Wir verlieren uns in dem engen und lebendigen Gassengewirr von Zadar, bewundern die Kathedrale. Ein steinernes, architektonische Meisterleistung. Über dem alten römischen Jupitertempel, der in der Kirche verbaut wurde, wölbt sich über zwei Stockwerke eine byzanthinische Kuppel. Weissleuchtend und leer. Die Leere betont nur die schwebende Architektur.

Mit der Fähre auf die Insel Cres. 5,5 Stunden auf einem alten Dampfboot, das einmal Kronprinzessin Elisabeth hiess und heute den Namen Marina trägt. Ein Vergnügen. Die flachen Kalkrücken der Inseln mit ihrem spärlichen Baumbewuchs ziehen langsam vorbei, langgestreckt und schmal die Insel Pag, kreisrund und kegelförmig die vielen Namenlosen. Bucht reiht sich an Bucht und das Meer flimmert unter Hitzeschleiern.

Mit weit offenen Augen durch ein Land fahren, das scheint mir die richtige Art des Reisens. Nach 2 Tagen an den schönen Stränden der Insel Cres, fragen wir uns (wie oft haben wir uns das schon gefragt),, was andere Touristen von den Ländern kennenlernen, die sie bereisen. Der Pfingstreiseverkehr hält die Insel besetzt. Ferien bestehen für all die Urlauber hier darin am Morgen an den Hotel- oder Campingplatzstrand zu gehen, in einer Reihe mit anderen Menschen zu rösten. Am Abend dann in eines der traditionellen Fischerstädtchen mit ihren herausgeputzten Kulissen. Die meisten Touristen so scheint es, suchen nur die Kulisse und nicht das Land.
Deshalb sind wir froh, dass wir nach der Überfahrt mit der Fähre von Cres auf die Halbinsel Istrien nun wieder ins Landesinnere kommen. Wieder einmal weg vom Wahnsinn der Küste zur Beschaulichkeit und Freundlichkeit des Hinterlandes. Die Dörfer werden grauer, Häuser beigegebeizt vom Rauch der Kohleheizungen, klein fast einspurige Strassen. Das Herausgeputzte der Küste verschwindet. Uns aber ist die Freundlichkeit wichtiger, die wir hier finden. Hier sind wir reisende, gekommen ein Land zu besuchen. Nicht Störenfriede, die in die Refugien einbrechen, die sich die einheimischen gegen den Massentourismus an der Küste erhalten haben.

Eine Gugelhupflandschaft beginnt. Hügel reiht sich an Hügel, rundlich und grün. Die Hügel haben die gleiche Form wie die Heuhaufen, die sich vor den Bauernhöfen aufreihen. Ein hoher Stecken und dann das Heu kreisrund aufgeschichtet. Eichenwälder. Hier gedeiht der Trüffel. Zur Küste hin immer noch die weissen, fast senkrechten Wände der Karstrücken. Die Dörfer mit ihren schlanken Kirchtürmen trohnen grau auf den Hügeln. Eine Silhouette aus Kirchturmspitzen und Zypressen. Dorfplätze mit Rundumsicht. Je weiter wir ins Landesinnere und Richtung der slowenischen Grenze kommen, desto vertrauter wird das Land. Die mitteleuropäischen Pflanzen werden häufiger, das mediterrane Element tritt zurück. Die Landschaft rollt rückwärts - wir nähern uns daheim.

Bei Buzet gehen wir über die slowenische Grenze. Auf beiden Seiten die gleichen Ortsnamen, die gleiche Landschaft, die gleiche Speisekarte. Wieder einmal wird mir bewusst, wie willkürlich Grenzen sind.

Kroatien - immer noch im Durchschnitt 25% Arbeitslosigkeit. Ein niedriges Durchschnittseinkommen - gesunken seit dem Krieg. Ein Drittel der kroatischen Bevölkerung lebt ständig im Ausland. Aber auch Durchhaltevermögen, Aufbauwille, der Wille zum Vorwärtskommen. Viel leben vom Tourismus, hier lohnt sich die Privatinitiative. "Sobe - Zimmer zu vermieten." Schilder allerorten. Ein kleiner Campingplatz im Privatgarten, sofern er nur irgendwie ans Meer stösst. Auf der angrenzenden Autostrasse ein weisser Plastikstuhl, eine winkende Person. Hierher, zu mir. Zimmer, Camping. Kommt.
Der Neubeginn im Tourismus auch eine Chance: Kroatien hat 9 Nationalparks eingerichtet, eine Wertschätzung der Natur, die erst in den letzten Jahren entstanden ist.
Da das Land aber so sehr auf die Devisenzufuhr aus dem Tourismus angewiesen ist, ist es auch sehr bereit den Touristen alle Zugeständnisse zu machen. Die Industrienalagen, die wir sehen, stammen noch aus der Vorkriegszeit. Aluminiumwerke, Schiffswerften, Metallbau. Sie arbeiten noch. Neben den Aluminiumwerken eine Arbeitersiedlung - Häuser, die dringend eine Renovation benötigen, nur noch zum Teil bewohnbar sind. Der Lebensstandard hier noch niedriger als anderswo im Lande. Die Menschen ziehen langsam fort.
Das Warenangebot in den Läden - genauso breit und vielfältig wie im übrigen Europa. Wenige Waren aber stammen aus einer eigenen Inlandproduktion. Vieles ist importiert. Nicht nur grosse eingesessene Marken, die Global Players. werden importiert, sondern viel Unbekanntes, Kleines, Lebensmittel aus deutscher und österreichischer Produktion finden sich. Deutsche Mittelstandsfirmen scheinen sich gut im Export nach Kroatien etabliert zu haben. Die Importgüter sind teuer, vergleichbar mit europäischen Preisen und sicherlich zu teuer im Vergleich zu dem, was eine Person hier verdient. Oft aber gibt es nichts Billigeres aus der Inlandproduktion.
Lebensmittel werden aber auch viel in Eigenproduktion erzeugt. Gemüseanbau in praktisch jedem Privatgarten. Im Hinterland bei den Häusern wird wenigstens eine Ziege oder ein paar Hühner gehalten. So mancher Haushalt ist jetzt ein Kleinbauernidyll.



Noch ein Nachtrag aus Dugi Otok: gestern hat ein neues Schiff im Hafen festgemacht. Voll mit Bayern. Bierbauch und Tuba blasend haben Sie den Bewohnern von Sali ein Ständchen bayerischer Blasmusik gebracht und Schuhplattler getanzt, das die Fetzen nur so flogen. Die Dorfbewohner, nicht faul, antworteten mit kroatischen Volksliedern. Remmidemmi bis morgens früh um 1.


::: posted by Melanie at 12:03


 
Das letzte Bad im Meer. Der letzte Sonnenuntergang am Meer. Die Tour wird für die nächsten 3-4 Tage geplant: Es werden die letzten Linien sein uns unserer Reiseplanung. Schlussstrich, zusammenzählen, rechnen. Was bleibt übrig, am Schluss, neben Zahlen: gefahrene Kilometer (etwa 2000), Höhenmeter (etwa 16'000), Kilos gegessenes Müslis (etwa 6) und Salami (etwa 3 und nur ich), Anzahl Stunden auf dem Rad (etwa 200), ausgegebene Euros, Kunas, Toljaris und Franken (mmmhhh!)?
Meine Hände sind aufgequollen in der Hitze und durch die tägliche Beanspruchung des Radelns. Die Ringe lassen sich nicht mehr abstreifen. Meine Haare sind nach 2 Monaten ohne Coiffeur zu einem unförmigen Knäuel zusammengewachsen, das durch die Sonne blond, hellbraun und braun schimmert und durchs Meerwasser dauergewellt ist. Die ständige Helligkeit hat Falten ins Gesicht geritzt. Die Augenbrauen sind blond. Die Haut ist gegerbt und golden gebrannt. Ich denke, wir ähneln eher den Surfern am Bondi Beach als Radfahrern.
Mein Körper hat sich über die Reise dem Rad angepasst. Der Rücken schmerzt vom Liegen im Zelt und nicht vom Radfahren. Die Muskeln sind aufgebaut und würden gut und gerne noch weitere 2 Monate halten. Die Schmerzen im Hautballen und im Ellbogen von Aufstützen auf dem Rad sind weg. Ausser die Augen, die durch den fehlenden Schlaf schwarz und aufgequollen macht, schreien nach Erholung.
Die Kleider haben sich im Farbton ebenfalls in Richtung Grau-Braun bewegt, aufgerissen, schmierig schwarz und der Geruch bewegt sich leise weg von "Waschmittelpulver". Unser Material ist zu einem grossen Teil überholungsbedürftig bis kaputt. Auch wir nie grössere Schäden, Unfälle oder Reparaturen hatten. So gesehen sind 2 Monate doch eine lange Zeit.
In ein paar Wochen ist das Material ausgetauscht und geflickt. Der Körper hat sich erholt. Die neuen Anforderungen des "normalen" Lebens stehen vor der Tür. Was bleibt sind die Erinnerungen, die Bilder, die haften bleiben, ein geschärftes Kulturverständnis für den so vielfältigen Mittelmeerraum und die Erfahrung vom Zweisein auf engstem Raum und Stress und Anstrengung. Diese Erkenntnisse lassen sich kaum in Worte fassen; es sind Erfahrungen und Kenntnisse, die sich fürs Leben bewahren.


::: posted by Harry at 12:00


 
Die Inseln Cres und Losinj zeigten uns auf engstem Raum die wahnsinnigen Unterschiede, die noch im Lande herrschen. Die Inseln , vor allem Cres, sind strak bewaldet und mit schönstens blauen Buchten übersät. Cres und Mali Losinj sind zwei Dörfer, die wirklich Charme versprühen, am Meer gelegen, mit Hafen und kleinen, wackligen Häusern um die Bucht gestreut. Leider hat die Atmosphäre der Dörfer und dier Campings eher was von einem süddeutsche Vorortsgemeinde als von einem Mittelmeerstädtchen.
Die Strassen sind extrem stark befahren. Die Touristen und die Kroaten versuchen sich in der Geschwindigkeit und din der Aggressivität zu toppen. Mir ist hier als Radfahrer auch die erste Ohrfeige seit etwa 20 Jahren verteilt worden: für einen Mittelfinger, der sich jeweils an gar kaltschnäuzige Autofahrer richtete. Von einem kroatischen Autofahrer (Kennzeichen "RI 116 JS").
Istrien haben wir in 2 Tagen durchradelt. Ein sehr schöne Gegend, schon sehr mitteleuropäisch geprägt - vor allem auch die Landwirtschaft. Für mich trotz der schönen Küstengebiete das Highlight von Kroatien.
Für mich war Kroatien als Reiseland eher enttäuschend und sehr zweischneidig. Das Gefühl an der Küste nur in einer touristischen Kulisse zu sein und die sehr vielen Touristen (ok, da können die Kroaten nix dafür), blieben die ganze Zeit über augenscheinlich. Kroatien war aber auch das einzige Land, das wir zu einem grossen Teil an der Küste beradelt hatten.Aber dennoch, Kroatien ist am Aufholen, auf fast allen Gebieten - sie haben aber auch noch einiges zu tun.


::: posted by Harry at 11:59



26.6.03 :::
 
Die letzten Eindrücke aus Kroatien


Zadar - 3. grösste Stadt an der Küste dalmatiens. Der Papst war in Zadar. Wir haben ihn knapp verpasst. Es war ein grosses Ereignis. Die Zeitungen sind voll mit den Bildern der Menschenmenge, die Kirchplatz, Hafenmole und die Innenstadtgassen füllt. Fremetischer Jubel bei der Ankunft des Papstes. Jung und Alt sind gekommen. Tage später kommen immer noch Kroaten, um die Rednertribüne vor der Hauptkirche von Zadar zu bestaunen und sich darauf fotografieren zu lassen: ein aus Reisig, Blumen und Blattwerk zusammengesetztes Schiff. das Schiff Kroatien mit Jesus Christus als Leitfigur auf neuem Weg.
Der Papstbesuch war für die Kroaten ein wictiges Ereignis, ein weiterer Schritt in die Normalität, eine Stärkung des Selbstbewusstseins des jungen Staates. Durch die katholische Kirche anerkannt zu werden, ist wichtig - betonen viele Kroaten doch immer wieder, dass ein Unterschied zu den Serben darin besteht, dass die Kroaten katholisch, die Serben orthodox sind.
Und wirklich, der katholische Glauben wird ernst genommen: die Messen sind voll. In der Hauptkirche in Zagreb sah ich bereits am Vormittag die Menschen für die Beichte anstehen, in jeder grösseren Stadt sehe ich junge Nonnen und Mönche.

Die Paradebauten der Küstenstädte - Kirchen, Paläste, aber auch das strassenpflaster sind aus den weissen Steinen der Insel Pag. Vom vielen Gebrauch glattgeschliffen, wirken die Steine fast schmierig und leuchten immer weisser. Wir verlieren uns in dem engen und lebendigen Gassengewirr von Zadar, bewundern die Kathedrale. Ein steinernes, architektonische Meisterleistung. Ueber dem alten römischen Jupitertempel, der in der Kirche verbaut wurde, wölbt sich über zwei Stockwerke eine byzanthinische Kuppel. Weissleuchten und leer. Die Leere betont nur die schwebende Architektur.

Mit der Fähre auf die Insel Cres. 5,5 Stunden auf einem alten Dampfboot, das einmal Kronprinzessin elisabeth hiess und heute den Namen Marina trägt. EinVergnügen. Die flachen Kalkrücken der Inseln mit ihrem spärlichen Baumbewuchs ziehen langsam vornbei, langgestreckt und schmal die Insel Pag, kreisrund und kegelförmig die vielen Namenlosen. Bucht reiht sich an Bucht unnd das Meer flimmert unter Hitzeschleiern.

Mit weit offenen Augen durch ein Land fahren, das scheint mir die richtige Art des reisens. Nach 2 Tagen an den schönen Stränden der Insel Cres, fragen wir uns (wie oft haben wir uns das schon gefragt),, was andere Touristen von den Ländern kennenlernen, die sie bereisen. Der Pfingstreiseverkehr hält die Insel besetzt. Ferien bestehen für all die Urlauber hier darin am Morgen an den Hotel- oder Campingplatzstrand zu gehen, in einer Reihe mit anderen Menschen zu rösten. Am Abend dann in eines der traditionellen Fischerstädtchen mit ihren herausgeputzten Kulissen. Die meisten Touristen so scheint es, suchen nur die Kulisse und nicht das Land.
Deshalb sind wir froh, dass wir nach der Ueberfahrt mit der Fähre von Cres auf die Halbinsel Istrien nun wieder ins Landesinnere kommen. Wieder einmal weg vom Wahnsinn der Küste zur Beschaulichkeit und Freundlichkeit des Hinterlandes. Die Dörfer werden grauer, Häuser beigegebeizt vom Rauch der Kohleheizungen, klein fast einspurige Strassen. Das Herausgeputzte der Küste verschwindet. Uns aber ist die Freundlichkeit wichtiger, die wir hier finden. Hier sind wir reisende, gekommen ein Land zu besuchen. Nicht Störenfriede, die in die Refugien einbrechen, die sich die einheimischen gegen den Massentourismus an der Küste erhalten haben.

Eine Gugelhupflandschaft beginnt. Hügel reiht sich an Hügel, rundlich und grün. Die Hügel haben die gleiche Form wie die Heuhaufen, die sich vor den Bauernhöfen aufreihen. Ein hoher Stecken und dann das Heu kreisrund aufgeschichtet. Eichenwälder. Hier gedeiht der Trüffel. Zur Küste hin immer noch die weissen, fast senkrechten Wände der Karstrücken. Die Dörfer mit ihren schlanken Kirchtürmen tronen grau auf den Hügeln. Eine Silhouette aus Kirchturmspitzen und Zypressen. Dorfplätzemit Rundumsicht. Je weiter wir ins Landesinnere und Richtung der slowenischen Grenze kommen, desto vertrauter wird das Land. Die mitteleuropäischen Pflanzenwerden häufiger, das mediterrane Element tritt zurück. Die Landschaft rollt rückwärts - wir nähern uns daheim.

Bei Buzet gehen wir über die slowenische Grenze. Auf beiden Seiten die gleichen Ortsnamen, die gleiche Landschaft, die gleiche Speisekarte. Wieder einmal wird mir bewusst, wie willkürlich Grenzen sind.

Kroatien - immer noch im Durchschnitt 25% Arbeitlosigkeit. Ein niedriges Durchschnittseinkommen - gesunken seit dem Krieg. Ein Drittel der kroatischen Bevölkerung lebt ständig im Ausland. Aber auch Durchhaltevermögen, Aufbauwille, der Wille zum Vorwärtskommen. Viel leben vom Tourismus, hier lohnt sich die Privatinitiative. "Sobe - Zimmer zu vermieten." Schilder allerorten. Ein kleiner Campingplatz im Privatgarten, sofern er nur irgendwie ans Meer stösst. Auf der angrenzenden Autostrasse ein weisser Plastikstuhl, eine winkende Person. Hierher, zu mir. Zimmer, Camping. Kommt.
Der Neubeginn im Tourismus auch eine Chance: Kroatien hat 9 Nationalparks eingerichtet, eine Wertschätzung der natur, die erst in den letzten jahren entstanden ist.
Da das land aber so sehr auf die Devisenzufuhr aus dem Tourismus angewiesen ist, ist es auch sehr bereit den Touristen alle Zugeständnisse zu machen. Die Industrienalagen, die wir sehen, stammen noch aus der Vorkriegszeit. Aluminiumwerke, Schiffswerften, Metallbau. Sie arbeiten noch. Neben den Aluminiumwerken eine Arbeitersiedlung - Häuser, die dringend eine Renovation benötigen, nur noch zum Teil bewohnbar sind. Der Lebensstandard hier noch niedriger als anderswo im Lande. Die Menschen ziehen langsam fort.
Das Warenangebot in den Läden - genauso breit und vielfältig wie im übrigen Europa. Wenige Waren aber stammen aus einer eigenen Inlandproduktion. Vieles ist importiert. Nicht nur grosse eingesessene Marken, die Global Players. werden importiert, sondern viel Unbekanntes, Kleines, Lebensmittel aus deutscher und österreichischer Produktion finden sich. Deutsche Mittelstandsfirmen scheinen sich gut im Export nach Kroatien etabliert zu haben. Die Importgüter sind tuer, vergleichbar mit europäischen Preisen und sicherlich zu teuer im Vergleich zu dem, was eine Person hier verdient. Oft aber gibt es nichts Billigeres aus der Inlandproduktion.
Lebensmittel werden aber auch viel in Eigenproduktion erzeugt. Gemüseanbau in praktisch jedem Privatgarten. Im Hinterland bwi den Häusern wird wenigstens eine Ziege oder ein paar Hühner gehalten. So mancher Haushalt ist jetzt ein Kleinbauernidyll.


::: posted by Melanie at 16:12






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Aufm Velo, zu Fuss, mit dem Zug, auf der Fähre nach Rom, Napoli, Bari, Paros, Athen, Thessaloniki, Belgrad, Zagreb, Split und zurück nach Zürich.



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