Zürich - Athen und zurück

Aufm Velo, zu Fuss, mit dem Zug, auf der Fähre nach Rom, Napoli, Bari, Paros, Athen, Thessaloniki, Belgrad, Zagreb, Split und zurück nach Zürich.



26.6.03 :::
 
Die letzten Eindrücke aus Kroatien


Zadar - 3. grösste Stadt an der Küste dalmatiens. Der Papst war in Zadar. Wir haben ihn knapp verpasst. Es war ein grosses Ereignis. Die Zeitungen sind voll mit den Bildern der Menschenmenge, die Kirchplatz, Hafenmole und die Innenstadtgassen füllt. Fremetischer Jubel bei der Ankunft des Papstes. Jung und Alt sind gekommen. Tage später kommen immer noch Kroaten, um die Rednertribüne vor der Hauptkirche von Zadar zu bestaunen und sich darauf fotografieren zu lassen: ein aus Reisig, Blumen und Blattwerk zusammengesetztes Schiff. das Schiff Kroatien mit Jesus Christus als Leitfigur auf neuem Weg.
Der Papstbesuch war für die Kroaten ein wictiges Ereignis, ein weiterer Schritt in die Normalität, eine Stärkung des Selbstbewusstseins des jungen Staates. Durch die katholische Kirche anerkannt zu werden, ist wichtig - betonen viele Kroaten doch immer wieder, dass ein Unterschied zu den Serben darin besteht, dass die Kroaten katholisch, die Serben orthodox sind.
Und wirklich, der katholische Glauben wird ernst genommen: die Messen sind voll. In der Hauptkirche in Zagreb sah ich bereits am Vormittag die Menschen für die Beichte anstehen, in jeder grösseren Stadt sehe ich junge Nonnen und Mönche.

Die Paradebauten der Küstenstädte - Kirchen, Paläste, aber auch das strassenpflaster sind aus den weissen Steinen der Insel Pag. Vom vielen Gebrauch glattgeschliffen, wirken die Steine fast schmierig und leuchten immer weisser. Wir verlieren uns in dem engen und lebendigen Gassengewirr von Zadar, bewundern die Kathedrale. Ein steinernes, architektonische Meisterleistung. Ueber dem alten römischen Jupitertempel, der in der Kirche verbaut wurde, wölbt sich über zwei Stockwerke eine byzanthinische Kuppel. Weissleuchten und leer. Die Leere betont nur die schwebende Architektur.

Mit der Fähre auf die Insel Cres. 5,5 Stunden auf einem alten Dampfboot, das einmal Kronprinzessin elisabeth hiess und heute den Namen Marina trägt. EinVergnügen. Die flachen Kalkrücken der Inseln mit ihrem spärlichen Baumbewuchs ziehen langsam vornbei, langgestreckt und schmal die Insel Pag, kreisrund und kegelförmig die vielen Namenlosen. Bucht reiht sich an Bucht unnd das Meer flimmert unter Hitzeschleiern.

Mit weit offenen Augen durch ein Land fahren, das scheint mir die richtige Art des reisens. Nach 2 Tagen an den schönen Stränden der Insel Cres, fragen wir uns (wie oft haben wir uns das schon gefragt),, was andere Touristen von den Ländern kennenlernen, die sie bereisen. Der Pfingstreiseverkehr hält die Insel besetzt. Ferien bestehen für all die Urlauber hier darin am Morgen an den Hotel- oder Campingplatzstrand zu gehen, in einer Reihe mit anderen Menschen zu rösten. Am Abend dann in eines der traditionellen Fischerstädtchen mit ihren herausgeputzten Kulissen. Die meisten Touristen so scheint es, suchen nur die Kulisse und nicht das Land.
Deshalb sind wir froh, dass wir nach der Ueberfahrt mit der Fähre von Cres auf die Halbinsel Istrien nun wieder ins Landesinnere kommen. Wieder einmal weg vom Wahnsinn der Küste zur Beschaulichkeit und Freundlichkeit des Hinterlandes. Die Dörfer werden grauer, Häuser beigegebeizt vom Rauch der Kohleheizungen, klein fast einspurige Strassen. Das Herausgeputzte der Küste verschwindet. Uns aber ist die Freundlichkeit wichtiger, die wir hier finden. Hier sind wir reisende, gekommen ein Land zu besuchen. Nicht Störenfriede, die in die Refugien einbrechen, die sich die einheimischen gegen den Massentourismus an der Küste erhalten haben.

Eine Gugelhupflandschaft beginnt. Hügel reiht sich an Hügel, rundlich und grün. Die Hügel haben die gleiche Form wie die Heuhaufen, die sich vor den Bauernhöfen aufreihen. Ein hoher Stecken und dann das Heu kreisrund aufgeschichtet. Eichenwälder. Hier gedeiht der Trüffel. Zur Küste hin immer noch die weissen, fast senkrechten Wände der Karstrücken. Die Dörfer mit ihren schlanken Kirchtürmen tronen grau auf den Hügeln. Eine Silhouette aus Kirchturmspitzen und Zypressen. Dorfplätzemit Rundumsicht. Je weiter wir ins Landesinnere und Richtung der slowenischen Grenze kommen, desto vertrauter wird das Land. Die mitteleuropäischen Pflanzenwerden häufiger, das mediterrane Element tritt zurück. Die Landschaft rollt rückwärts - wir nähern uns daheim.

Bei Buzet gehen wir über die slowenische Grenze. Auf beiden Seiten die gleichen Ortsnamen, die gleiche Landschaft, die gleiche Speisekarte. Wieder einmal wird mir bewusst, wie willkürlich Grenzen sind.

Kroatien - immer noch im Durchschnitt 25% Arbeitlosigkeit. Ein niedriges Durchschnittseinkommen - gesunken seit dem Krieg. Ein Drittel der kroatischen Bevölkerung lebt ständig im Ausland. Aber auch Durchhaltevermögen, Aufbauwille, der Wille zum Vorwärtskommen. Viel leben vom Tourismus, hier lohnt sich die Privatinitiative. "Sobe - Zimmer zu vermieten." Schilder allerorten. Ein kleiner Campingplatz im Privatgarten, sofern er nur irgendwie ans Meer stösst. Auf der angrenzenden Autostrasse ein weisser Plastikstuhl, eine winkende Person. Hierher, zu mir. Zimmer, Camping. Kommt.
Der Neubeginn im Tourismus auch eine Chance: Kroatien hat 9 Nationalparks eingerichtet, eine Wertschätzung der natur, die erst in den letzten jahren entstanden ist.
Da das land aber so sehr auf die Devisenzufuhr aus dem Tourismus angewiesen ist, ist es auch sehr bereit den Touristen alle Zugeständnisse zu machen. Die Industrienalagen, die wir sehen, stammen noch aus der Vorkriegszeit. Aluminiumwerke, Schiffswerften, Metallbau. Sie arbeiten noch. Neben den Aluminiumwerken eine Arbeitersiedlung - Häuser, die dringend eine Renovation benötigen, nur noch zum Teil bewohnbar sind. Der Lebensstandard hier noch niedriger als anderswo im Lande. Die Menschen ziehen langsam fort.
Das Warenangebot in den Läden - genauso breit und vielfältig wie im übrigen Europa. Wenige Waren aber stammen aus einer eigenen Inlandproduktion. Vieles ist importiert. Nicht nur grosse eingesessene Marken, die Global Players. werden importiert, sondern viel Unbekanntes, Kleines, Lebensmittel aus deutscher und österreichischer Produktion finden sich. Deutsche Mittelstandsfirmen scheinen sich gut im Export nach Kroatien etabliert zu haben. Die Importgüter sind tuer, vergleichbar mit europäischen Preisen und sicherlich zu teuer im Vergleich zu dem, was eine Person hier verdient. Oft aber gibt es nichts Billigeres aus der Inlandproduktion.
Lebensmittel werden aber auch viel in Eigenproduktion erzeugt. Gemüseanbau in praktisch jedem Privatgarten. Im Hinterland bwi den Häusern wird wenigstens eine Ziege oder ein paar Hühner gehalten. So mancher Haushalt ist jetzt ein Kleinbauernidyll.


::: posted by Melanie at 16:12






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